Der 1. FC Köln hat sich in der Europa League ein Endspiel erarbeitet – es ist zeitgleich das erste Spiel nach Peter Stöger. Wir blicken voraus!

Es ist das letzte Gruppenspiel des 1.FC Köln in der Europa League. Allein das macht die Begegnung bei Roter Stern Belgrad hochemotional. Zudem geht es für beide Mannschaften um das Überwintern im internationalen Geschäft. Eigentlich schon genug Gründe für Herzrasen, Nervosität und Anspannung. Aber dann ist es eben auch noch das erste Spiel ohne Peter Stöger. Für den 1.FC Köln geht es schlicht und einfach um alles.

Stefan Ruthenbeck, der neue Übungsleiter an der Außenlinie, man wird ihn heute Abend das ein oder andere Mal über den Platz plärren hören. So viel dürfte nach den ersten Trainingseindrücken klar sein. Für den neuen Coach des effzeh ist es gleich die Feuerprobe – als ehemaliger U19-Trainer ab aufs europäische Parkett. Hoffentlich hat Ruthenbeck sein Nervenkostüm dabei. „Ich hätte denjenigen für verrückt erklärt, der mir vor ein paar Monaten gesagt hätte, dass ich mal für den FC im Europapokal auf der Bank sitze. Es ist eine ganz tolle Geschichte – auch für mich, als Kölner die Jungs hier in Belgrad bei einem Europapokalspiel coachen zu dürfen“, gestand der ehemalige Fürther Trainer.

Für ihn und seine Zukunft ist das Spiel gleich mehr als ein erster Gradmesser, denn eigentlich sind die Chancen auf eine Weiterbeschäftigung als Hauptverantwortlicher sehr gering. Was aber, wenn die Mannschaft mit Ruthenbeck ein Weiterkommen in Europa sichert? Es könnte der Grundstein sein für eine kleine Wende. Und dann? Auch für eine Wende in der Trainerfrage?

„Wir haben uns das Endspiel erarbeitet“

Der 1.FC Köln muss das Spiel in Belgrad jedenfalls gewinnen, um weiter in der Europa League dabei sein zu dürfen, das steht fest. Ebenfalls klar ist, wie schwer diese Aufgabe werden wird. „Belgrad hat eine gute Mannschaft, das haben wir im Heimspiel gesehen. Wir haben in der zweiten Hälfte aber auch gezeigt, dass wir dagegenhalten können“, sagte Kapitän Matthias Lehmann vor dem Spiel. Aus den Aussagen des Anführers der verunsicherten Kölner Mannschaft wird klar, dass das Team in diesem Fall sehr deutlich weiß, worum es geht: „Es ist ein absolutes Endspiel. Wir haben es uns in den letzten beiden Partien erarbeitet, in Belgrad ein finales Spiel zu haben. Wir müssen gewinnen.“ Ein Endspiel, egal, welche jungen Spieler auch immer an den Start geht. Es geht heute auch um die Zukunft des effzeh. Passenderweise wird die Zukunft gezwungenermaßen auf dem Feld stehen.

GELSENKIRCHEN, GERMANY - DECEMBER 02: The team of Koeln with head cvoach Peter Stoeger comes together after the 2-2 draw of the Bundesliga match between FC Schalke 04 and 1. FC Koeln at Veltins-Arena on December 2, 2017 in Gelsenkirchen, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Denn die Ausfallliste ist fast länger als die derjenigen Spieler, die überhaupt mit nach Belgrad reisen konnten: dem neuen Coach stehen nur zwölf Profis zur Verfügung, der Rest ist verletzt oder nicht spielberechtigt. Daher durften Birk Risa, Anas Ouahim und Ismail Jakobs aus der Jugend des effzeh mit nach Belgrad reisen – für sie wird es mit Sicherheit ein unvergessliches Erlebnis, im Hexenkessel „Marakana“ auflaufen zu dürfen. Die Frage wird wahrscheinlich nur sein, wer aus dem Trio Klünter, Olkowski und Clemens auf der Bank wird Platz nehmen müssen. Kessler, Risa, Ouahim und Jakobs dürften dort zu Beginn des Spiels sitzen. Doch wer weiß, vielleicht überrascht uns Ruthenbeck ja mit einem ganz jungen Spieler in der Startelf.

Mit einem Sieg die Wut in Freude verwandeln

Der eigene Anspruch, für die Zukunft des Vereins zu spielen, ist dann aber auch gleich die Fallhöhe. Die Mannschaft will beweisen, dass sie es besser kann als in der kompletten Bundesligasaison und den ersten Spielen auf europäischer Bühne. Ihr Coach, Peter Stöger, der, der sie überhaupt erst dorthin gebracht hat, ist jetzt nicht mehr mit dabei. Zeit für Nachtrauern oder Enttäuschung gibt es aber keine. Und genau das ist die Chance für die Mannschaft des 1.FC Köln: Mit einem Sieg kann es eine Aufbruchstimmung geben. Mit einem Sieg kann das Verhältnis zu den Fans intensiviert werden. Deren Enttäuschung über die Entscheidungen im Vorstand dürfte deutlich spürbar sein, und nur mit einem überraschenden Erfolg kann das Wir-Gefühl gestärkt werden. Denn die Fans werden auch in Belgrad wieder zahlreich eine Europa-Party feiern – als wäre es die Letzte. Die Spieler müssen jetzt dafür sorgen, dass es eben nicht die letzte Party bleibt.

Ob sich die Spieler des effzeh dieser Verantwortung bewusst sind, wir werden es erleben. Am heutigen Abend geht es nicht um Taktik, es geht nicht um ausgefeilte Spielzüge und mit Schönspielerei wird man nichts erreichen. Heute Abend geht es nur um eines: Kampf, dreckigen, leidenschaftlichen, bedingungslosen Kampf. Das ist es, was von dieser Mannschaft jetzt verlangt, sogar erwartet werden muss. Reißt euch den verdammten Arsch auf. Für Europa, für den effzeh, für Peter den Großen.

>>>Belgrad-Fan Nenad Mijaljević vor dem Gruppen-Finale: „Niemand unterschätzt Köln“

Teilen:

Sag uns deine Meinung