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Freitagabend, Flutlicht und ein attraktiver Gegner: Der 1. FC Köln eröffnet den Bundesliga-Spieltag mit einem Heimspiel gegen Borussia Dortmund – und Peter Stöger.

Dass das Aufeinandertreffen mit dem ehemaligen Chefcoach etwas Besonderes sein wird, thematisieren wir bereits an anderer Stelle. In diesem Text soll es unabhängig von der emotionalen Komponente dieser Partie um die sportliche Ausgangssituation beider Mannschaften gehen, die zwar unterschiedliche Ziele verfolgen, aber gleichsam mehr oder weniger verzweifelt nach Stabilität in den eigenen Leistungen suchen. Während der 1. FC Köln nach einer katastrophalen Hinrunde um den Anschluss an die Plätze 17, 16 und 15 kämpft, liegt hinter dem BVB ein ereignisreiches Jahr 2017, was in gewisser Form das Ende eines Zyklus markiert. Die Qualifikation für die Champions League gilt mittlerweile als Mindestziel für die Gelb-Schwarzen.

In den vergangenen Jahren hatte sich die Borussia nämlich fußballerisch erst unter Jürgen Klopp und dann unter Thomas Tuchel zu einer internationalen Marke entwickelt, die regelmäßig in der Königsklasse unterwegs war und dort den arrivierten Mannschaften aus den europäischen Metropolen das Leben schwer machte. Verantwortlich dafür waren zwei Trainerpersonen, die unterschiedlicher wohl nicht hätten sein können: Auf der einen Seite der „Menschenfänger“ Jürgen Klopp, der mit seiner emotionalen Art und dem hohen Maß an Medienkompetenz in der Öffentlichkeit sehr gut ankam. Und auf der anderen Seite der etwas zurückhaltendere, asketische Tuchel, der mit manchen Entwicklungen des modernen Fußballs sichtlich fremdelte. Während Klopp in Dortmund seine Version des „Vollgas“-Fußballs implementierte, entwickelte Tuchel die Mannschaft spielerisch sogar noch einmal weiter und zementierte die Marke BVB damit in Europa.

Dortmund: Das Ende eines Zyklus

Vor der vergangenen Saison gab es im Ruhrpott dann einen erheblichen Umbruch im Kader, bei dem sich bereits andeutete, dass ein Umbruch bevorstand: mit Hummels, Gündogan und Mkhitaryan verließen wichtige Säulen den Verein. Der Versuch, diese Spieler durch junge Kräfte zu ersetzen, sollte den Beginn des Aufbaus eines neuen Mannschaftskerns dienen – mit Ousmane Dembélé verließ allerdings die herausragende Figur die Borussia bereits nach der ersten Saison wieder. In der Bundesliga sollte es am Ende für den dritten Platz reichen, in der Champions League war allerdings im Viertelfinale Ende April Schluss.

Das lag allerdings weniger an sportlichen Gründen, sondern eher an dem Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB – dieser Vorfall sollte die Dortmunder Realität noch für Monate beeinflussen. Davon abgesehen gab es im Jahr 2017 genügend weitere Aspekte, die die öffentliche Auseinandersetzung mit der Borussia bestimmten: der lange schwelende Konflikt zwischen Aki Watzke und Tuchel mündete schließlich in der gemeinsamen Trennung – immerhin nach dem Gewinn des DFB-Pokals.

Foto: Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images

Seitdem diskutiert man darüber, ob beim BVB eine übergeordnete sportliche Philosophie fehle, anhand derer man eine langfristige Ausrichtung erkennen könne. Mit der Verpflichtung von Peter Bosz als Trainer entschied man sich für eine zugegebenermaßen radikale Version des niederländischen Offensivfußballs, was sich bereits im Winter als Irrtum entpuppte und schließlich in einer erneuten Trennung mündete. Zuvor agierte die Mannschaft zwischen zwei Extremen: Dem überragenden Saisonstart mit 19 Punkten aus sieben Spielen folgte danach eine Periode von acht Spielen ohne Sieg, hinzu kam das Ausscheiden in der Champions League. Im Dezember wurde dann Peter Stöger als neuer Coach vorgestellt, der seitdem den Stabilisierungsprozess anleiten soll.

Stöger: Stabilität ins Spiel des BVB bringen

Vorrangigste Aufgabe ist für den Österreicher dabei, die vorher extrem riskante Spielweise des BVB ein wenig in normale Bahnen zu lenken und für Absicherung zu sorgen. Er wählte dabei einen deutlich passiveren Ansatz als sein Vorgänger, bei dem die Mannschaft viel höher im Feld verteidigte. In den ersten beiden Partien funktionierte das gut (Siege gegen Mainz und Hoffenheim), danach allerdings stagnierte die Formkurve des BVB deutlich. In diesem Jahr gab es bislang drei Unentschieden, die jetzt nicht unbedingt für Begeisterungsstürme in Dortmund gesorgt haben. Unmutsäußerungen gab es beispielsweise von den Rängen beim Heimspiel gegen Freiburg, was BVB-Keeper Roman Bürki dann dazu brachte, die eigenen Fans zu kritisieren – kurzum: Es ist zu erkennen, dass der BVB sich momentan in einer eher komplizierten Phase befindet und nach Stabilität sucht.

Hinzu kommt, dass die Causa Aubameyang über Wochen für Unruhe sorgte, allerdings dann im Wechsel zu Arsenal ein Ende fand. Als Ersatz kommt auf Leihbasis Michi Batshuayi von Chelsea. Verlassen haben den BVB unterdessen noch die Verteidiger Marc Bartra und auch der ehemalige Leih-Kölner Neven Subotic. Deren Abgänge sollen aufgefangen werden durch Manuel Akanji, den der BVB aus Basel holte. Beide Neuzugänge dürften für das Spiel gegen den effzeh bereits im Kader stehen.

1. FC Köln: Den Aufwärtstrend fortsetzen

Für den 1. FC Köln ist das Heimspiel gegen Dortmund im überraschenderweise wieder ausgerufenen Abstiegskampf eine neue Situation: Erstmals kann man im Duell mit den direkten Konkurrenten aus Hamburg und Bremen vorlegen. Mit den Gästen aus dem Ruhrpott wartet aber eine Mannschaft auf die Kölner, die trotz aller Unruhe immer noch zu den besseren in der Bundesliga gehört. Da darf man sich dann auch von den jüngsten Formkurven beider Mannschaften nicht blenden lassen: Während der effzeh aus den vergangenen vier Partien zehn Punkte holte, waren es beim BVB nur deren sechs. Unter Stöger ist der BVB allerdings in der Bundesliga noch ohne Niederlage.

Für Trainer Stefan Ruthenbeck dürfte der Matchplan gegen den BVB so aussehen, dass man den Gästen den Ball überlässt und dann selbst versucht, entweder über Konter- oder aber auch über Standardsituationen zum Erfolg zu kommen. Zwar bevorzugt Stöger selbst eine etwas vorsichtigere Spielweise, Ruthenbeck dürfte allerdings aufgrund der Schnelligkeit auf den Außenpositionen beim BVB (insbesondere durch Pulisic und Sancho) seiner Mannschaft einimpfen, keine zu großen Räume zu offenbaren. Den Gegner schätzt Ruthenbeck dementsprechend auch als „schwer zu schlagen“ ein, wie er auf der Pressekonferenz unterstrich: „Ich wehre mich dagegen, dass Dortmund eine Krise hat. Sie haben in den letzten acht Spielen nur einmal verloren.“

Osako fehlt wohl im nächsten Endspiel

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Doch auch seine eigene Mannschaft sei in den letzten Wochen gewachsen, betont er. Automatismen würden besser funktionieren, das Selbstvertrauen sei größer, sodass seine Mannschaft mittlerweile eher positiven Druck verspüre – die Kölner Truppe scheint also auf einem guten Wege zu sein, sich leistungsmäßig wieder zu stabilisieren. Ob das schon für einen Sieg gegen den BVB und dann am Ende vielleicht ja sogar für den Klassenerhalt reicht, bleibt dennoch abzuwarten. Die Vorzeichen stehen allerdings auch nicht schlecht: Zuletzt verloren die Geißböcke in der Saison 2011/12 ein Heimspiel gegen die Dortmunder. Beim Hinspiel in Dortmund in dieser Saison gab es allerdings zuletzt auch eine herbe 5:0-Klatsche.

Nicht mitwirken wird neben Leonardo Bittencourt vermutlich auch FC-Stürmer Yuya Osako, der Japaner hat sich eine Erkältung zugezogen und droht auszufallen. Eine finale Entscheidung stehe aber noch aus, erklärte Ruthenbeck am Donnerstag.

>>>Stöger-Rückkehr nach Köln: Sentimentalitäten, Erfolgsdruck & Diskussionen
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