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Die deutsche Fankultur steht aufgrund der Entwicklungen in den letzten Jahren am Scheideweg, wie ein Statement der aktiven Fanszenen verdeutlicht.

In einem Statement der aktiven Fanszenen Deutschlands wird über das an Protesten nicht arme Jahr 2017 Bilanz gezogen. Vereine von der Bundesliga bis hin in den Amateurbereich protestierten gegen die „zuspitzende Entfremdung der Verbände, allen voran DFB und DFL, von der Basis des Fußballs – uns Fans“, wie das Statement der aktiven Fanszenen beschreibt – nachzulesen unter anderem auf der Seite des Südkurve Köln e. V. Im bald abgelaufenen Jahr haben sechs Aktionsspieltage stattgefunden, die in Bezug auf Themen und Geschlossenheit der verschiedenen Teilnehmer eins aufgezeigt haben: Der deutsche Fußball befindet sich am Scheideweg oder „in einer Phase der Veränderung“, wie es im Statement heißt, das dann sogar noch einen Schritt weiter geht: „Der Fußball in Deutschland mit seiner einzigartigen Fanlandschaft, seinen unzähligen Fanszenen, seinen ‚immer vollen‘ Stadien, steht an einer roten Linie.“

Im Zuge der immer größer werdenden Profitorientierung der verantwortlichen Vereinen, Verbänden und Organisationen sei den Fans immer mehr zugemutet worden, was nun dafür gesorgt hat, dass „nicht nur die Ultras oder ‚Hardliner‘ die Nase voll davon haben, Jahr für Jahr neue Schikanen ertragen zu müssen, nur um ihren Verein zu den Spielen begleiten zu können.“ Deswegen sehen sich die Fanszenen in der Pflicht, dafür zu kämpfen, dass die negative Entwicklung ein Ende hat – im Anschluss an das Standpunktgespräch mit dem DFB im November wurden daher Positionspapiere bezüglich der dringendsten Probleme erarbeitet.

Die Positionspapiere der Fanszenen im Überblick

Insgesamt beschäftigen sich die aktiven Fanszenen mit fünf Themenbereichen. Zuerst wird das Thema „Kommerzialisierung“ auf die Agenda gesetzt, denn der Volkssport Fußball soll auf lange Sicht bezahlbar bleiben – „sozialverträgliche Eintrittspreise für Stehplätze“ müssen garantiert bleiben. Dazu gehört allerdings auch, dass der Erhalt der 50+1-Regelung, die Begrenzung des Einflusses von Investoren und eine konsequentere Umsetzung des Financial Fairplay stärker in den Fokus genommen werden muss. Nächster Themenbereich sind „Stadionverbote“ als „fragwürdiges Strafrecht einer Paralleljustiz“ des Deutschen Fußball-Bundes. Neben einer grundsätzlichen Kritik am System der Stadionverbote gehen die Fanszenen ebenfalls in Detail und beschreiben, wo genau aus ihrer Sicht Verbesserungen geschaffen werden müssen.

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Die „Sportsgerichtsbarkeit“ ist der dritte Aspekt der Positionspapiere. Diese soll sich in Zukunft im Idealfall nur noch darauf beschränken, Vorfälle zu bearbeiten, die in einem direkten Zusammenhang zum sportlichen Wettbewerb stehen. Alle anderen Vorfälle seien durch den Rechtsstaat zu regeln. Positiv bewertet wird hierbei, dass Kollektivstrafen durch Empfehlung von DFB-Boss Grindel bis auf Weiteres ausgesetzt werden sollen. Das kann jedoch nur der erste Schritt sein. „Fanrechte“ stellen einen weiteren Themenbereich dar – hier geht es insbesondere um die zunehmende Beschränkung der Freiheit in den Kurven in Bezug auf Choreographien, Spruchbänder und Fanutensilien. Auch Einlasskontrollen und die Rolle der Ordnungsdienste werden diskutiert. Abschließend wenden sich die Fanszenen mit dem Papier „Anstoßzeiten“ noch gegen die weitere Zerstückelung der Spieltage und fordern, dass die Interessen der Fans „endlich mindestens gleichwertig zu den Interessen der medialen Vermarktung zu behandeln“ sind.

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