Am Mittwochabend tritt der effzeh zum Pokalspiel bei Hertha BSC an. Zu der sportlichen Misere gesellt sich nun noch der Trubel um den Abgang Jörg Schmadtkes. Es ist ein Spiel zur Unzeit – aber vielleicht gerade deswegen passend für eine Trendwende? Unser Vorspiel.

Mit nur einem Pflichtspielsieg im Gepäck und mit vielen Verletzten auf der Tribüne reist der effzeh zum Pokalspiel nach Berlin. Die Ausgangslage könnte kaum schlechter sein: zwei Punkte aus neun Ligaspielen bei einer Torbilanz von 3:17 und einer schwachen Spielanlage sind Indizien für einen Abstieg. Zu der sportlich desaströsen Situation kommt nun noch die Aufregung um den spontanen Abgang Jörg Schmadtkes. All die englischen Wochen zehren zunehmend an den Nerven. Die dort erlittenen Niederlagen sorgen für eine schlechte Stimmung und große Verunsicherung. Man fragt sich angesichts all dieser betrüblichen Umstände: ist es nicht irgendwann mal gut gewesen? Muss denn schon wieder Fußball sein?

Bei Hertha BSC läuft es auch nicht rund

Bei allem Wehklagen über die gegenwärtigen Kölner Zustände übersieht man schnell, dass es auch beim Gegner aus Berlin derzeit nicht rund läuft. Die Hertha wartet seit sechs Pflichtspielen auf einen Sieg, verlor vor fünf Tagen in Luhansk und erreichte nur durch einen späten Treffer von Salomon Kalou per Elfmeter ein Remis in Freiburg. Von der Form, die die Mannschaft von Pal Dardai letztes Jahr auf Platz sechs und in die Europa League trug, ist derzeit nur wenig übrig. Torjäger Vedad Ibisevic ist beispielsweise immer noch torlos, nur Mathew Leckie und Salomon Kalou bringen derzeit Scorerwerte auf gutem Niveau.

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In Berlin ist man derzeit angespannt, weil die Stimmung bei weiteren Misserfolgen kippen könnte. In Köln ist man über diesen Punkt hinaus. Spätestens seit Jörg Schmadtkes Abgang ist die Atmosphäre rund um den effzeh beinahe in der Talsohle angelangt. Eigentlich kann es nur noch bergauf gehen, oder zumindest nicht viel schlimmer werden. Ein Aus im Pokal wäre verschmerzbar, würde es sich doch im Existenzkampf in der Liga nicht bemerkbar machen. Mit einem, ehrlicherweise, unerwarteten Erfolg in Berlin könnte man hingegen etwas Schwung in die Liga mitnehmen und psychisch den Hebel umlegen.

Schießt endlich Tore!

Für ein solches Erfolgserlebnis benötigt der effzeh aber das einzige, was im Spiel zählt: Tore. Sehrou Guirassy war gegen Bremen nah dran, vergab aber unglücklich kurz vor Spielschluss. Trotzdem machte der junge Franzose einen engagierten Eindruck – Guirassy zeigte viele Qualitäten, die der effzeh vorne dringend benötigt: Er ist technisch ordentlich, hat ein gutes Spielverständnis und weiß, wo er im Strafraum stehen muss. Diese Qualitäten wies Jhon Cordoba in seinen wenigen Einsätzen bislang nicht nach. Guirassys Nervosität im Abschluss ist zwar offensichtlich, aber das ist etwas, das er in den Griff bekommen kann.

COLOGNE, GERMANY - OCTOBER 22: Sehrou Guirassy of FC Koeln looks dejected after the Bundesliga match between 1. FC Koeln and SV Werder Bremen held at RheinEnergieStadion on October 22, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Düsterer sieht es auf den Positionen dahinter aus: Yuya Osako und Leo Bittencourt suchen weiterhin die Vorjahresform und Torgefahr, die aus der zweiten Reihe so wichtig wäre. Möglich ist, dass Tim Handwerker zu einem Startelfeinsatz kommt – der junge Neuzugang zeigte gegen Bremen erneut eine ansprechende Leistung. Im Zentrum wird es wohl mangels Alternativen wieder auf eine Kombination aus Milos Jojic und Salih Özcan hinauslaufen. Während Jojic immer noch den Beweis seiner Bundesligatauglichkeit schuldig bleibt, stabilisiert sich Özcan mit zunehmender Erfahrung. Wenn er nun noch mehr Präzision und Tordrang entwickeln würde, würde er nahezu unersetzlich werden, da kein weiterer zentraler Mittelfeldspieler diese Qualitäten besitzt.

Schreckgespenst Ibisevic

Defensiv ragt Dominique Heintz seit Wochen heraus. Nicht nur mit technischer Klasse, sondern auch mit Zweikampfstärke ist er seit Wochen der einzige wirkliche Leistungsträger im Abwehrverbund. Kann er zur Beibehaltung von Vedad Ibisevics Ladehemmung beitragen? Während der letzten Aufeinandertreffen mit Berlin war Ibisevic immer für ein Tor gut, weil die Abwehr unaufmerksam war – es bleibt zu hoffen, dass das dieses Mal nicht der Fall ist. Gelingt es dem effzeh, die Konter der Hertha zu unterbinden, defensiv aggressiv und aufmerksam zu sein und endlich mal in Führung zu gehen, kann es für ein überraschendes Weiterkommen reichen. Dann freut man sich auch mal wieder auf Fußballspiele.

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