Weder das Signal der Spieler, die mit der auf Schalke gezeigten Einstellung und ihrem Verhalten am Samstag ausdrücklich zeigten, dass sie das alles nicht wollten, noch dass der überwiegende Teil der Fans durchaus mit Stöger in die zweite Liga gegangen wäre, spielte noch eine Rolle. Der einsame Entschluss der Verantwortlichen stand fest. Und sollte es am Ende tatsächlich an der durch Stögers Kritik gekränkten Eitelkeit des Vorstands gescheitert sein, dürfte es für Spinner und sein Team in der nächsten Zeit noch ungemütlicher werden als es das am Sonntag schon wurde.

COLOGNE, GERMANY - NOVEMBER 05: Coach Peter Stoeger of Koeln looks on during a press conference after the Bundesliga match between 1. FC Koeln and TSG 1899 Hoffenheim at RheinEnergieStadion on November 5, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Zuspruch für die Entscheidung am Geißbockheim gab es jedenfalls so gut wie keine. Weder in den Foren, noch bei Twitter, Facebook oder gar in der Presse war irgendetwas nettes über den Schachzug des Traditionsclubs zu lesen. Ganz im Gegenteil. Viele Fans des 1. FC Köln verabschiedeten tief traurig ihren „Pitter“ und wünschten die Vereinsführung zum Teufel – wenn nicht wegen der Entscheidung, dann wegen der Art und Weise.

Aus und vorbei

Die Trennung von Köln fällt aber auch Stöger nicht leicht, das konnte man sehen. Doch der Wiener stellte persönliche Befindlichkeiten ein letztes Mal hinter den Wunsch des Vereins zurück, obwohl der ihn gerade entlassen hatte. Und obwohl er natürlich einen besseren, schöneren Abschied als diese Farce verdient gehabt hätte. Aber Peter der Große, er spielte noch einmal mit. Erst am Samstag auf Schalke, dann tags drauf am Geißbockheim.

Ohne öffentlichen Kommentar kam der Trainer für die letzten Formalitäten ans Geißbockheim und verabschiedete sich dann noch einmal von seiner Mannschaft. Natürlich. Dann verschwanden Stöger und Schmid nach viereinhalb Jahren in Köln durch die Hintertür. FC-Präsident Spinner bat zeitgleich auf der zum Abschied des Trainers kurzfristig einberufenen Pressekonferenz darum, die Entscheidung des Clubs doch bitte einfach zu akzeptieren und plauderte dann zusammen mit Alexander Wehrle dem eigentlichen Anlass des Auftritts zum Trotz Indiskretionen über die Verhandlungen mit Geschäftsführer-Kandidat Horst Heldt aus. Ein Trauerspiel. Und man hatte dabei das Gefühl, dass das, was den 1. FC Köln in den letzten Jahren zu einem besonderen Fußballverein gemacht hatte, sich genau in diesem Moment in sein Auto gesetzt hatte und davon gefahren war.

COLOGNE, GERMANY - NOVEMBER 02: Coach Peter Stoeger of Koeln looks on prior the UEFA Europa League group H match between 1. FC Koeln and BATE Borisov at RheinEnergieStadion on November 2, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Mit Anzug und roter Krawatte: Peter Stöger | Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Mit Peter Stöger und Manfred Schmid verlassen zwei prägende Figuren der Vereinsgeschichte den 1. FC Köln. Man wird ihre Art, das Fußballgeschäft mit konsequenter Menschlichkeit zu füllen, am Rhein sicher nicht vergessen. Und die rote Krawatte zum edlen Anzug in der Europa League, lieber Peter, erst recht nicht. Diese Stadt hatte Träume, Stöger und Schmid haben sie erfüllt. Man wird sie bitterlich vermissen.

Den Kölner Fans, die mit Peter Stöger so viele besondere Momente erleben durften, bleibt nur noch die ewige Erinnerung an diese wunderbaren Jahre. Und Tim Handwerkers Tränen in den Augen.

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6 Kommentare

  1. Es ist richtig, was im Artikel steht: Köln und Stöger passten gut zusammen. Ich würde ergänzen: Vielleicht zu gut.
    Was mir in dem Artikel fehlt, ist die Tatsache, dass der FC dabei ist, die schlechteste Hinrunde hinzulegen, die bisher je in der Bundesliga gespielt wurde. Man konnte vielleicht auch bei den großen Ligen in Europa nachschauen, ob es in deren Geschichte schon einen Klub gegeben hat, der ähnlich erfolglos dagestanden ist. Ich jedenfalls erinnere mich nicht.
    Und diese Misere muss doch auch etwas mit dem verantwortlichen Trainer zu tun haben. Zumindest doch „auch“, oder nicht? Im Stadt-Anzeiger von heute wurde berichtet, dass bei der Suche nach einem neuen Geschäftsführer und Trainer dem FC von außen des öfteren gespiegelt worden sei, die Mannschaft wirke nicht fit und nicht aggressiv und die Aufstellungen seien unverständlich. Ich kann das nicht wirklich beurteilen, weil mir dazu die Fachkompetenz fehlt, aber so etwas habe ich von anderen Fans auch schon immer gehört.
    Ich wüsste nicht, dass Peter Stöger – der ja dauernd in den Medien präsent war – für die Misere seines Teams Verantwortung übernommen hätte. Jörg Schmadtke war ja der Bösewicht – und dann am Schluss der Vorstand, der menschliche Werte mit Füße getreten habe, wie etwa Respekt, Vertrauen usw, soStöger. Derselbe Vorstand, der ihn bis dahin in der Öffentlichkeit nie angegriffen oder kritisiert hatte. Mit seinen krassen und ungerechten Anschuldigungen lieferte Stöger, dem nach eigenen Bekunden so viel am FC liegt, der Boulevard-Presse die Stichworte, die jetzt dauernd wiederholt und von einem Teil der Fans aufgegriffen werden.
    Aber wenn all das nicht stimmen sollten, so bleibt doch eins: Kein Klub kann und kein Klub sollte einen Trainer halten, der nach 14 Spieltagen mit drei Punkten dasteht.

  2. Jetzt nimmt die Legendenbildung aber etwas überhand. Und vor allem auswärtig wohnende Fans kriegen sich gar nicht mehr ein in ihrer Verachtung gegenüber dem Vorstand.

    Was sie dabei vergessen: Wäre Stöger bei gleich bleibenden Leistungen der Mannschaft Trainer geblieben bis zum erwartbar bitteren Ende, wie viele Stadionbesucher hätten sich dies gefallen lassen? Dass sie bereits Konstantin Rausch ausgepfiffen und „Wir haben die Schnauze voll“ geträllert haben , ist offenbar in Vergessenheit geraten, obwohl es noch nicht lange her ist. Und das wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit schlimmer geworden.

    Wer wegen der Trennung von einem nonchalant und sympathisch auftretenden Trainer, dem ich charakterlich außerhalb einer gewissen Verbohrtheit (Rausch, Lehmann, Standards offensiv wie defensiv) nichts vorwerfen möchte, die Mitgliedschaft kündigt, soll das machen. Dann war das halt ein Schönwetter-Mitglied und/oder neigt zum Personenkult. Denn die Behauptung, schon seit Ewigkeiten Mitglied und Fan zu sein, die Overath-Ära überstanden zu haben, ohne zu kündigen, dann aber jetzt hinzuwerfen, kann ich nicht ernst nehmen.

  3. Es ist unglaublich….. bin seit 40 Jahren mit dem Herzen FC-Fan, komme aus dem Norden und habe schon viel durchmachen müssen! Wurde hier oben oft belächelt für „meinen“ Club.
    Aber seitdem Peter in Köln mit seiner Art alles auf den Kopf gestellt hat, wurde mein Stolz immer größer und die Anerkennung aus dem Norden erst recht!! Unser FC war wirklich „spürbar anders“!! Und jetzt??? Ich war selten so traurig und enttäuscht in meinem Leben…… SERVUS Peter, wirst im in meinem Herzen bleiben!!!

  4. Wolfgang Neumann am

    Ein wunderbarer Artikel, den ich in jeder Hinsicht unterstützen möchte. Ich bin als Berliner Anhänger des FC seit der
    Deutschen Meisterschaft 1962. Was ich im Laufe der Jahrzehnte an traurigen Tiefpunkten mit meinem Verein erleben musste, weiß jeder Kölner Fan meines Alters.
    Das Verhalten des aktuellen Vorstands stellt aber einen Höhepunkt an Dilettantismus und Schäbigkeit dar, der seines –
    gleichen sucht. Die unglaublich dämliche Wahl des Zeitpunkts der Entlassung , das scheinheilige Abwälzen der Schuld auf den Trainer, die grausam peinliche Pressekonferenz – man weiß gar nicht, wofür man sich am meisten schämen soll.
    Ich gratuliere dem Ex-Mitglied Wengenfeld zu seinem Entschluss des Vereinsaustritts und hoffe, dass viele seinem
    Beispiel folgen werden.
    Und eines möchte ich am Schluss unbedingt noch loswerden: Abgesehen von der Vorgehensweise im Fall Heldt,
    finde ich es extrem schlimm, dass mit Heldt und Beiersdorfer schon wieder Namen aus dem Kölner Klüngel auftauchen,
    die ganz bestimmt nicht dazu beitragen würden, den FC aus dem Schlamassel zu ziehen.

  5. Werner Wingenfeld am

    Der Rest ist Schweigen.
    Auch wenn es sicher nur symbolischen Wert hat: Ich habe heute meinen Austritt aus dem Verein erklärt. Im Herzen bleibe ich FC-Fan, aber formal möchte ich nichts mehr mit diesem Vorstand des galoppierenden Dilletantismus‘ und der ethischen Unanständigkeit zu tun haben.
    Werner Wingenfeld

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