Nach Außen hörte man von den beiden Vollprofis keine Klagen. Noch kurz vor Schmadtkes Abgang verteidigte Stöger den von den Fans in Borisov angezählten Geschäftsführer öffentlich. Vielleicht auch, weil er wusste, dass seine (Schmadtkes Verhalten geschuldete) passive Haltung dem Kaderplaner gegenüber zum Transfermisserfolg und zur weiteren Eskalation beigetragen hatte. Der sportliche Leiter machte sich kurz darauf trotzdem mit einer Millionenabfindung vom Acker. Stöger blieb und verlor mit seiner Mannschaft in der Bundesliga weiterhin fast jedes Spiel.

BERLIN, GERMANY - OCTOBER 25: Simon Zoller (C) of Koeln jubilates with team mates and head coach Peter Stoeger (R) after scoring the first goal during the DFB Cup match between Hertha BSC and 1. FC Koeln at Olympiastadion on October 25, 2017 in Berlin, Germany. (Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Vollstes Vertrauen| Foto: Matthias Kern/Bongarts/Getty Images

Das Vertrauen seiner Spieler verlor Stöger aber offensichtlich nie. Ungefähr jeder Kölner Profi, der irgendeinen Social-Media-Account besitzt, hat mittlerweile eindringliche Worte gefunden, um sich vom nunmehr ehemaligen Trainerteam zu verabschieden. „Wir werden nie vergessen, was ihr geleistet habt“, schreibt Konstantin Rausch da. „Es war eine großartige Zeit mit euch“, verabschiedet sich Dominique Heintz. „Ihr seid zwei überragende Menschen“, lässt Marco Höger seine Ex-Chefs wissen. Und aus der Ferne meldet sich mit Anthony Modeste der einstige Torjäger: „Danke an einen unglaublichen Trainer, einen Vater“ findet der Franzose herzliche Worte. „Er hat uns in die Europa League gebracht. Ich weiß, dass Fußball manchmal grausam ist. Er hat es nicht verdient, gehen zu müssen. Das ist ein Kollateralschaden.“

Vollstes Vertrauen: „Danke an einen Vater“

Emotionale, ehrliche Worte von Profi-Fußballern sind in diesem Business schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr. Und wem Tweets und Instagram-Posts nicht genügen, der sollte einen Blick auf die Szenen, die sich in Gelsenkirchen nach der Partie auf dem Rasen zugetragen haben, werfen. Das sollte ausreichen, um zu verstehen, dass der Mensch Peter Stöger bis zuletzt das Vertrauen seiner Spieler hatte. Das der Fans hatte der Europapokal-Trainer ebenfalls in großem Maße. Trotz manchmal sportlich auch kritischen Tönen. Trotz seiner bisweilen irrationalen Treue zu einzelnen, leistungsschwachen Spielern. Trotz Sieglosigkeit und Platz 18. Ein „Stöger raus!“ hat man von den Kölner Fans bis zu seinem letzten Tag nicht gehört. Allein das grenzt in der Domstadt an ein Wunder.

Stöger selbst wusste offenbar schon seit Donnerstagabend, dass es für ihn in Köln nicht mehr weitergehen würde. Der „Geissblog.Koeln“ berichtet am Montag, nach Stögers Pressekonferenz sei es noch am Abend zum Gipfeltreffen der Verantwortlichen gekommen. Der Trainer hatte eine Entscheidung gefordert, und die sollte er bekommen. Der Vorstand fühlte sich von Stöger durch seine offensiven Forderungen öffentlich kritisiert, heißt es in dem Bericht der Online-Zeitung. Das klare Bekenntnis zum Trainer wollte Werner Spinner und sein Präsidium dem Trainer offenbar keineswegs geben, der sah sich durch die Position der Verantwortlichen wiederum in seiner Kritik bestätigt.

GELSENKIRCHEN, GERMANY - DECEMBER 02: The team of Koeln with head cvoach Peter Stoeger comes together after the 2-2 draw of the Bundesliga match between FC Schalke 04 and 1. FC Koeln at Veltins-Arena on December 2, 2017 in Gelsenkirchen, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Peter Stöger informiert die Mannschaft |Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Die Würfel waren gefallen. Dennoch spielte Stöger das falsche Spiel, das man sich am Geißbockheim für die Zeit bis nach dem Schalke-Spiel ausgedacht hatte, mit, ließ sich von den TV-Experten im Live-Interview löchern und erklärte auch nach der Partie konsequent, dass bald eine Entscheidung gefällt werde. Spätestens auf der Pressekonferenz und damit nach der emotionalen Verabschiedung von Spielern, Trainerstab und Fans machte es dann aber den Eindruck, als falle Stöger das Theater immer schwerer.

Entscheidung am Donnerstag

Der Verein hatte entschlossen, die Entscheidung nicht vor der Partie zu kommunizieren. Und so konnten die Fans in Gelsenkirchen und an den TV-Geräten zwar deutlich spüren, dass ihr Erfolgscoach da gerade zum Abschied die Auswärtskurve gegrüßt und seine Spieler geherzt hatte, sagen durfte Stöger es aber immer noch nicht. Der Trainer war sichtlich angefasst, aber es gab kein Zurück mehr.

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6 Kommentare

  1. Es ist richtig, was im Artikel steht: Köln und Stöger passten gut zusammen. Ich würde ergänzen: Vielleicht zu gut.
    Was mir in dem Artikel fehlt, ist die Tatsache, dass der FC dabei ist, die schlechteste Hinrunde hinzulegen, die bisher je in der Bundesliga gespielt wurde. Man konnte vielleicht auch bei den großen Ligen in Europa nachschauen, ob es in deren Geschichte schon einen Klub gegeben hat, der ähnlich erfolglos dagestanden ist. Ich jedenfalls erinnere mich nicht.
    Und diese Misere muss doch auch etwas mit dem verantwortlichen Trainer zu tun haben. Zumindest doch „auch“, oder nicht? Im Stadt-Anzeiger von heute wurde berichtet, dass bei der Suche nach einem neuen Geschäftsführer und Trainer dem FC von außen des öfteren gespiegelt worden sei, die Mannschaft wirke nicht fit und nicht aggressiv und die Aufstellungen seien unverständlich. Ich kann das nicht wirklich beurteilen, weil mir dazu die Fachkompetenz fehlt, aber so etwas habe ich von anderen Fans auch schon immer gehört.
    Ich wüsste nicht, dass Peter Stöger – der ja dauernd in den Medien präsent war – für die Misere seines Teams Verantwortung übernommen hätte. Jörg Schmadtke war ja der Bösewicht – und dann am Schluss der Vorstand, der menschliche Werte mit Füße getreten habe, wie etwa Respekt, Vertrauen usw, soStöger. Derselbe Vorstand, der ihn bis dahin in der Öffentlichkeit nie angegriffen oder kritisiert hatte. Mit seinen krassen und ungerechten Anschuldigungen lieferte Stöger, dem nach eigenen Bekunden so viel am FC liegt, der Boulevard-Presse die Stichworte, die jetzt dauernd wiederholt und von einem Teil der Fans aufgegriffen werden.
    Aber wenn all das nicht stimmen sollten, so bleibt doch eins: Kein Klub kann und kein Klub sollte einen Trainer halten, der nach 14 Spieltagen mit drei Punkten dasteht.

  2. Jetzt nimmt die Legendenbildung aber etwas überhand. Und vor allem auswärtig wohnende Fans kriegen sich gar nicht mehr ein in ihrer Verachtung gegenüber dem Vorstand.

    Was sie dabei vergessen: Wäre Stöger bei gleich bleibenden Leistungen der Mannschaft Trainer geblieben bis zum erwartbar bitteren Ende, wie viele Stadionbesucher hätten sich dies gefallen lassen? Dass sie bereits Konstantin Rausch ausgepfiffen und „Wir haben die Schnauze voll“ geträllert haben , ist offenbar in Vergessenheit geraten, obwohl es noch nicht lange her ist. Und das wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit schlimmer geworden.

    Wer wegen der Trennung von einem nonchalant und sympathisch auftretenden Trainer, dem ich charakterlich außerhalb einer gewissen Verbohrtheit (Rausch, Lehmann, Standards offensiv wie defensiv) nichts vorwerfen möchte, die Mitgliedschaft kündigt, soll das machen. Dann war das halt ein Schönwetter-Mitglied und/oder neigt zum Personenkult. Denn die Behauptung, schon seit Ewigkeiten Mitglied und Fan zu sein, die Overath-Ära überstanden zu haben, ohne zu kündigen, dann aber jetzt hinzuwerfen, kann ich nicht ernst nehmen.

  3. Es ist unglaublich….. bin seit 40 Jahren mit dem Herzen FC-Fan, komme aus dem Norden und habe schon viel durchmachen müssen! Wurde hier oben oft belächelt für „meinen“ Club.
    Aber seitdem Peter in Köln mit seiner Art alles auf den Kopf gestellt hat, wurde mein Stolz immer größer und die Anerkennung aus dem Norden erst recht!! Unser FC war wirklich „spürbar anders“!! Und jetzt??? Ich war selten so traurig und enttäuscht in meinem Leben…… SERVUS Peter, wirst im in meinem Herzen bleiben!!!

  4. Wolfgang Neumann am

    Ein wunderbarer Artikel, den ich in jeder Hinsicht unterstützen möchte. Ich bin als Berliner Anhänger des FC seit der
    Deutschen Meisterschaft 1962. Was ich im Laufe der Jahrzehnte an traurigen Tiefpunkten mit meinem Verein erleben musste, weiß jeder Kölner Fan meines Alters.
    Das Verhalten des aktuellen Vorstands stellt aber einen Höhepunkt an Dilettantismus und Schäbigkeit dar, der seines –
    gleichen sucht. Die unglaublich dämliche Wahl des Zeitpunkts der Entlassung , das scheinheilige Abwälzen der Schuld auf den Trainer, die grausam peinliche Pressekonferenz – man weiß gar nicht, wofür man sich am meisten schämen soll.
    Ich gratuliere dem Ex-Mitglied Wengenfeld zu seinem Entschluss des Vereinsaustritts und hoffe, dass viele seinem
    Beispiel folgen werden.
    Und eines möchte ich am Schluss unbedingt noch loswerden: Abgesehen von der Vorgehensweise im Fall Heldt,
    finde ich es extrem schlimm, dass mit Heldt und Beiersdorfer schon wieder Namen aus dem Kölner Klüngel auftauchen,
    die ganz bestimmt nicht dazu beitragen würden, den FC aus dem Schlamassel zu ziehen.

  5. Werner Wingenfeld am

    Der Rest ist Schweigen.
    Auch wenn es sicher nur symbolischen Wert hat: Ich habe heute meinen Austritt aus dem Verein erklärt. Im Herzen bleibe ich FC-Fan, aber formal möchte ich nichts mehr mit diesem Vorstand des galoppierenden Dilletantismus‘ und der ethischen Unanständigkeit zu tun haben.
    Werner Wingenfeld

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