Zweites Auswärtsspiel in Folge: Dieses Mal geht es in den Tabellenkeller, ans legendäre Böllenfalltor. Da lag es nahe, dass wir uns mit Björn Thar, dem Stadionmoderator vom SV Darmstadt 98, unterhalten.

Zu den Spielen unseres geliebten und glorifizierten ersten Fußballclubs Köln werden wir auch in dieser Saison einem Fan der gegnerischen Mannschaft ein paar Fragen stellen. Und weil Gegner ja immer irgendwie “auswärts” sind, egal ob der effzeh zu Hause oder auf fremdem Platz antritt, und weil die Sichtweise von “auswärts” kommt, heißt die Kategorie folgerichtig “Auswärtsspiel”. Wir sind nicht nur gespannt, wieviel effzeh in den Anhängern der anderen Bundesligisten steckt, sondern erwarten auch eine Einschätzung zur Situation der eigenen Mannschaft.

Auf ein dröges 0:0 zum Jahresauftakt folgt für den 1. FC Köln die Reise zum SV Darmstadt 98. Gegen die Hessen eröffnete der effzeh mit einem 2:0 eine tolle Hinrunde. Das Rückspiel findet unter gänzlich anderen Vorzeichen statt. Das meint auch Björn Thar (Twitter: @bjoernthar), der 2009 während seines Studiums die Liebe zu Lilien entdeckte, seit 2013 das Fanradio mit aufbaute und seit der Saison 2013/2014 als ehrenamtlicher Stadionmoderator beide Aufstiege sowie den Klassenerhalt hautnah miterlebte. Er sprach mit uns über schwierige Charaktere, den Umbau am Böllenfalltor und seinen alten Nachbarn Konstantin Rausch.

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Foto: Jürgen Schwarz/Bongarts/Getty Images

Björn, viele sahen und sehen Euch als Top-Kandidaten für den letzten Platz der Liga. Warum ist diese Sicht falsch und was muss sich tun, um das in der Realität zu ändern?

Mag abgedroschen klingen, aber auf dem Papier sind wir ja tatsächlich nicht so gut besetzt wie die anderen Teams der Liga und trotzdem haben wir es gerade in der letzten Saison geschafft, diese immer wieder zu ärgern. Das lag und liegt natürlich am unfassbaren Zusammenhalt der Mannschaft und den so viel zitierten Darmstädter Tugenden: also Wille, Kampf und Teamgeist. Es sind nach wie vor viele Spieler mit an Bord, die alle drei Wunder der letzten Jahre mitgemacht haben. Nach der vergangenen Saison gab es meiner Meinung nach einen kleinen Bruch, was am Weggang von Dirk Schuster lag. Sein Gespür für das Team und die Einstellung auf die Gegner waren einfach genial. Viele Fans haben jetzt die Hoffnung, dass Torsten Frings genau dieses Gespür auch wieder mitbringt.

Wie fällt dein Fazit der relativ kurzen Ära Norbert Meier aus? Was hat er falsch gemacht?

Das ist er schwierig zu beurteilen. Jeder Trainer, der auf Dirk Schuster gefolgt wäre, hätte einen schweren Stand gehabt. Schuster hat einfach das Maximum aus dem Team herausgeholt. Bei Meier hat aus meiner Sicht die Findungsphase mit dem Team zu lange gedauert. Er hat viel rotieren lassen. Erst unter Berndroth gab es eine Startelf, die in drei aufeinanderfolgenden Spielen nicht geändert wurde.

Frings, Guwara und das Darmstädter Konzept

Nun steht mit Torsten Frings ein noch gänzlich unerfahrener Cheftrainer an der Seite. Welche Erwartungen und Befürchtungen verbindest du mit ihm?

Das Ziel sollte sein, langfristig mit ihm zu planen und auch bei ausbleibender Punkteausbeute nicht direkt nervös zu werden. Der Druck ist mehr oder weniger raus. Theoretisch kann er mit den Lilien das nächste Wunder schaffen und erneut den Klassenerhalt sichern. Viel wichtiger ist es aber, dass er Strukturen schafft und das Team dahingehend ausbaut, dass sich der Verein langfristig im Profifußball etablieren kann – und da zähle ich auch die 2. Bundesliga mit rein.

Euer Trainer trifft auf einen alten Bekannten aus Bremer Tagen: Leon Guwara. Da er einer der wenigen gebürtigen Kölner ist, der noch nicht bei uns im Kader steht, die Frage: Was hältst du von ihm?

Leon hat unglaubliches Talent. Das hat er auch unter Meier schon durchblicken lassen. Tolle Dribblings auf der linken Außenbahn, scharfe Flanken und stabil in der Verteidigung. Dass einem jungen Spieler wie ihm auch Fehler unterlaufen, ist klar. Ich erinnere mich zum Beispiel an die Gelb-Rote Karte gegen Augsburg – die war unnötig. Aber ich halte wirklich viel von ihm. Interessant ist, dass Frings ihn in den letzten beiden Spielen (Bochum und Gladbach) auf dem linken Flügel eingesetzt hat und nicht auf seiner angestammten Position in der Verteidigung. Aber das Zusammenspiel mit Fabi Holland auf der linken Seite klappt bisher wunderbar.

Ihr seid bekannt dafür, scheinbar gescheiterte und schwierige Spieler wieder einzugliedern. Bei Sandro Wagner hat das toll geklappt, bei anderen weniger. Sollte das Konzept beibehalten werden?

Ich glaube einfach, dass Dirk Schuster ein gutes Händchen bei diesen Spielern hatte und auch die Gabe, sie in das bestehende Mannschaftsgefüge einzugliedern. Dass Spieler wie Wagner, Schipplock und Co. nach wie vor auf dem Einkaufzettel des Vereins stehen, liegt einfach daran, dass diese sich natürlich wieder zeigen wollen, hoch motiviert sind und ein Sprungbrett suchen. Die Chance bekommen sie in Darmstadt und das auch in der höchsten Spielklasse. Win-Win sozusagen – wenn es denn aufgeht. Wenn der Knoten platzt, sind diese Spieler natürlich auch schwer zu halten. Wagner spielt aktuell ja wieder eine phänomenale Saison bei Hoffenheim.

Auf der nächsten Seite: Das „neue“ Böllenfalltor und Konstantin Rausch.

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