Nach dem Pyro-Nebel kam die Derby-Stimmung. Und nach der Stimmung ein furioses Derby, in dem der effzeh wahnsinnig viel Glück hatte, in puncto Effektivität und Kaltschnäuzigkeit aber viel Spaß machte. Doch es erwies sich einmal wieder: Auf Halten spielen funktioniert einfach nicht.

#B04KOE oder: Über weite Strecken Mal wieder der Beweis, dass es einfach klappt, wenn man „da oben“ steht und das Ding einfach nicht rein will, wenn man „unten drin“ steckt. Am Ende trennen sich die rheinischen Rivalen mit einem Unentschieden – paradoxerweise ist der glückliche Punkt für den effzeh am Ende zu wenig, für Leverkusen aber immens wichtig.

Erster Schuss sitzt

Nach einer Reihe von Horror-Auftritten machte das Team von der anderen Rhein-Seite im Derby von Beginn an klar, dass es weiß, was auf dem Spiel steht. Furiose Leverkusener rannten, spielten und erarbeiteten sich eine Reihe von Chancen, die effzeh-Keeper Timo Horn schon früh zu Glanztaten zwangen – ein Fingerzeig für die gesamten 90 Minuten. Horn musste in der achten Minute das erste Mal eingreifen, zwei Minuten später vereitelte er in bärenstarker Manier eine Doppel-Chance von Kießling.

Das Glück und das Können des Keepers bestätigte dann die Offensive. Nachdem Heintz sich auf dem linken Flügel durchgesetzt hatte, fand seine Hereingabe unter Umwegen Spielmacher Jojic, der mit der ersten Möglichkeit und unter Mithilfe eines abgefälschten Schusses das 1:0 (14.) für den effzeh erzielte.

Riesenglück & Fast-Derbyheld Klünter

So kann es natürlich auch mal laufen, das 1:0 gab dem effzeh merklich Auftrieb. Die Stöger-Mannen waren in der Folge endlich präsenter, der effzeh war im Spiel. Doch nach einer weiteren guten Doppel-Chance, dieses Mal für Chicharito (18.), kippte das Aktivitätslevel erneut in Richtung Bayer. Bei der dritten Doppel-Chance, wieder war es Kießling (38.), musste der Pfosten dann schon Hilfestellung für den zuvor glänzend reagierenden Horn leisten – es waren Kießlings Torversuche fünf und sechs an diesem Nachmittag.

Und doch ging es zunächst gut und mit der Führung in die Halbzeit. Durchgang Zwei zeigte sich dann, sehr zu Freude der geschätzt 8000 effzeh-Fans, im selben Gewand. Leverkusen aktiv, der effzeh effektiv. Der jüngst mit einem langfristigen Vertrag ausgestattete Shootingstar Lukas Klünter schloss einen Alleingang über rechts sehenswert ab und tunnelte Bernd Leno vier Minuten nach Wiederanpfiff zum 2:0. Zwei Chancen, zwei Tore – so spielen Derbysieger. Dachte man zu dem Zeitpunkt jedenfalls.

Kießling lässt Taten folgen, effzeh passiv

Doch es bewahrheite sich auch im heutigen Derby wieder, dass Ergebnis halten nicht die Paradedisziplin des effzeh ist. Unermüdlich anlaufende Leverkusener schafften es dann doch noch, sich für ihr starkes Spiel und die zahlreichen Chancen zu belohnen. Der nimmermüde Kießling, der vor der Bayer-Anhängerschaft davon gesprochen hatte, die „Scheiß Kölner wegzuhauen“, ließ seinen Worten von Beginn an Taten und in der 60. Minute leider auch ein Tor folgen.

Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images

Und Bayer drückte weiter, wollte im fünften Heimspiel unter Tayfun Korkut endlich den ersten Sieg einfahren. Im Minutentakt musste die effzeh-Anhängerschaft durchatmen, Chance um Chance vereitelten entweder Horn oder der Defensiv-Verbund – bis zur 71. Minute, als der eingewechselte Pohjanpalo eine hochpräzise Flanke per Kopf zum, man muss es zugeben, verdienten Ausgleich verwertete. Von da an war klar, jetzt geht es nur noch darum, nach 2:0-Führung eine Derby-Pleite zu vermeiden. Es gelang mit Top-Paraden von Horn und dem erneuten Aluminium-Glück bei Baileys Pfosten-Schuss (86.). Glück gehabt, effzeh. Taktisch spielte die Stöger-Trupe viel zu früh auf Ergebnis halten, allerdings präsentierte sich Bayer auch extrem leistungsbereit und offensivstark, mehr war im Derby wohl letztlich nicht drin. Dank der brutalen Kaltschnäuzigkeit und Timo Horns Weltklasse-Leistung holt der effzeh im kleinen Derby am Ende einen glücklichen Punkt.

Leverkusen gerettet, effzeh gibt Europa vorerst aus der Hand

Ein Punkt, der den Traum von Europa nicht gerade beflügeln dürfte. Mit dem SC Freiburg liegt der Hauptkonkurrent um den Europa League Quali Platz weiter zwei Punkte vor dem effzeh, der im letzten Heimspiel also auf Vollgas spielen und gegen Mainz gewinnen muss. Großer Pluspunkt: Die Breisgauer müssen am letzten Spieltag beim Meister in München antreten – Niederlage dort nicht unwahrscheinlich. Um weniger geht es im letzten Saisonspiel, das, wie der Klub mitteilte, auch das letzte von Tayfun Korkut als Bayer-Trainer sein wird, für Leverkusen, das sich dank einer starken Derby-Leistung und dem Punktgewinn endgültig aller Abstiegs-Sorgen entledigte.

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