Neben Yann Aurel Bisseck gab am vergangenen Wochenende ein zweiter Spieler aus der Jugend des 1. FC Köln sein Debüt: Wir stellen Anas Ouahim näher vor.

Nach 72 Minuten war es im Heimspiel gegen Berlin soweit: Mit Anas Ouahim wurde der zweite Debütant von Peter Stöger aufs Feld geschickt, der 20-Jährige ersetzte Yuya Osako. Der dribbelstarke Offensivmann kommt sonst eigentlich in der U21 des 1. FC Köln zum Einsatz und stand dort in dieser Saison bereits in neun Spielen auf dem Feld. Bei den jungen „Geißböcken“ läuft es zwar nur unwesentlich besser als bei den Profis (sie stehen in der Regionalliga West derzeit ebenfalls auf einem Abstiegsplatz), für den 1,75 Meter großen Rechtsfuß war die Einwechslung gegen Berlin jedoch trotzdem ein Highlight.

Ouahim wurde von Stöger auf der rechten Seite eingesetzt und konnte bereits andeuten, wo seine Stärken liegen: Durch seine Körpergröße hat der einen niedrigen Körperschwerpunkt, den er mit einer guten Ballführung verbindet. Somit kann er sich aus engen Situationen gut lösen. Dadurch, dass er in der U21 überwiegend im Zentrum eingesetzt wird, genießt er dort eine gute Ausbildung in Hinblick auf Zweikampfführung und Handlungsschnelligkeit. Drei Ligen weiter oben kommen seine Stärken momentan wahrscheinlich eher auf der Außenbahn zum Tragen. Es wird abzuwarten bleiben, wie viel Einsatzzeit der Deutsch-Marokkaner in den kommenden Wochen bekommen wird, doch die ersten Eindrücke sind positiv. Doch wer ist Anas Ouahim überhaupt?

Straßenfußballer aus Schlebusch

Geboren wurde er am 23. September 1997, er ist marokkanischer Staatsbürger. Beraten wird er von der Kölner Agentur „Hundred&Tenpercent“. Im letzten Jahr stand Ouahim dem Videoportal „KicknGo“ für ein Gespräch zur Verfügung, in dem man mehr über den Marokkaner erfahren konnte. Der technisch beschlagene Offensivspieler wurde, nachdem er die ersten fußballerischen Erfahrungen im heimischen Garten sammelte, in Schlebusch auf einem Ascheplatz groß und gilt deswegen als ein „Straßenfußballer“. „Damals gab es noch nichts anderes außer dem Ascheplatz. Wir haben gespielt, egal wie die Platzverhältnisse waren“, erinnert sich Ouahim. Eine Ausbildung auf diesem Untergrund fördert natürlich die Technik und Ballbehandlung, was man bei ihm bereits nach nur wenigen Minuten erkennt. Bis zur D-Jugend war sein Vater dann auch gleichzeitig sein Trainer beim SV Schlebusch, bevor es dann in die U16 beim 1. FC Köln ging.

Doch zuvor durchlief Ouahim die diversen Instanzen des Fußballverbandes Mittelrhein. Das regelmäßige Sichtungstraining in der Regionalauswahl führte den Leverkusener bis in die Mittelrheinauswahl, wo er neben Spielern des effzeh, aus Leverkusen und Düsseldorf der einzige war, der nicht in einem Nachwuchsleistungszentrum spielte. Deswegen, erläutert er, sei es „nur eine Frage der Zeit“ gewesen, bis ihn auch die größeren Vereine angesprochen hätten. Zusagen hatte Ouahim bereits von Aachen und Düsseldorf, doch der quirlige Dribbler wollte bereits damals nur zum 1. FC Köln. Nachdem er dort ein Probetraining absolviert hatte, wurde er in die U16 des effzeh aufgenommen – damit einher ging auch ein Schulwechsel.

Der Nachwuchsfußballer wurde fortan Mitglied der „Geißbock-Akademie“ und ging auf die Elsa-Brandström-Realschule, eine Kooperationsschule des 1. FC Köln. Dort musste Ouahim Gas geben, um neben seiner fußballerischen Ausbildung auch den Schulabschluss zu schaffen. „Es war schon eine Belastung und ganz gewiss kein Zuckerschlecken“, befindet Ouahim jetzt. Der Tagesablauf war mit Schule, Hausaufgaben und Training sehr stark durchgetaktet. Beim 1. FC Köln absolvierte Ouahim dann insgesamt 58 Spiele in der Bundesliga West, 20 für die B- und 38 für die A-Junioren. Insgesamt gelangen ihm dort laut transfermarkt.de sechs Tore und sechs Vorlagen.

Großes Talent, aber (noch) mangelnde Effizienz

Seit der vergangenen Saison ist Ouahim Seniorenspieler und kam in seiner Debütsaison gleich in 28 Spielen zum Einsatz – drei Tore standen für ihn zu Buche. In der aktuellen Saison lief es trotz der lange Zeit mageren Punktausbeute für die U21 des 1. FC Köln aus persönlicher Sicht für Ouahim gut. In elf Spielen traf er zweimal und legte ein Tor auf. Stefan Emmerling, bis Dezember 2016 Ouahims Trainer, hielt große Stücke auf seinen damaligen Schützling, betonte gegenüber dem Fußballportal „FuPa“ aber auch: „Er muss sicherlich an seiner Effektivität arbeiten, aber das hängt natürlich mit seinem Alter zusammen.“

Um seinen Entwicklungsprozess zu unterstützen, arbeitet der Rechtsfuß mit einem Life-Coach zusammen. „Ich konnte mit meinem vollen Kopf und meinen persönlichen Anliegen mit ihm in ein höchst vertrauensvolles Gespräch gehen und kam danach mit einem freien Kopf heraus. Das half mir auch auf dem Platz, weil man frei im Kopf sein muss, um seine volle Leistung abrufen zu können“, erötert er die Vorzüge der Zusammenarbeit. Nachdem Ouahim zu Beginn dieser Saison verletzt fehlte, konnte er sich aber in den letzten Wochen durch gute Leistungen in den Vordergrund spielen. Seit Amtsantritt von André Pawlak, dem neuen U21-Trainer seit Oktober, konnte die U21 des 1. FC Köln drei Siege feiern, in denen Ouahim jeweils von Beginn an zum Einsatz kam.

COLOGNE, GERMANY - NOVEMBER 26: Head coach Peter Stoeger of Koeln hughs Anas Ouahim after loosing the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Hertha BSC at RheinEnergieStadion on November 26, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Sein Talent war auch Chefcoach Peter Stöger nicht verborgen geblieben, der ihn bereits im letzten Jahr zu mehreren Trainingswochen einlud und in einem Testspiel einsetzte. Als dann vor wenigen Tagen die Verletztenliste beim 1. FC Köln immer länger wurde, beorderte Stöger Ouahim in die erste Mannschaft. Am Ende standen dann die ersten 18 Bundesliga-Minuten in der Karriere des jungen Talents. Ein Moment, den er trotz der 0:2-Niederlage gegen Hertha nie vergessen wird.  „Ich habe jahrelang jeden Tag hart darauf hingearbeitet, eines Tages den Traum wahr werden zu lassen, im Trikot des 1.FC Köln den Rasen betreten zu dürfen“, erklärte ein sichtlich stolzer Anas Ouahim auf Instagram. Wem er sein Debüt in Deutschlands höchster Fußballliga zu verdanken hat, das vergaß er auch in diesem Moment nicht: „Ich bedanke mich bei meinen Eltern für die jahrelange Unterstützung & harte Arbeit. Ohne euch hätte ich das nicht geschafft.“

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