Der 1. FC Köln geht dank Verletztenliste und allgemeiner Formschwäche als klarer Außenseiter in die Partie gegen Schalke. Eine Niederlage könnte das Ende von Peter Stöger besiegeln. 

Wenn der 1. FC Köln am Samstagabend sein Bundesliga-Spiel auf Schalke absolviert haben wird, ist Peter Stöger mehr als 141.207.600 Sekunden oder mehr als 2.353.460 Minuten, 39.224 Stunden oder eben einfach genau 1.634 Tage als Cheftrainer des 1. FC Köln im Amt. Doch sollten die Geißböcke die Partie dann verloren haben, spricht vieles dafür, dass kein weiterer Tag für Stöger als Trainer in Köln dazu kommen wird. Ein paar Stunden vielleicht noch, dann dürfte nach viereinhalb Jahren Schluss sein für den Österreicher.

Entweder, weil die Führungsriege des 1. FC Köln sich endlich zu einer Entscheidung durchringen konnte, oder weil der Österreicher selbst keine Lust mehr hatte und von sich aus hingeschmissen hat. Dementsprechende Gerüchte waberten am Freitagabend plötzlich durch die Domstadt, ausgeschlossen scheint also auch das nicht mehr zu sein. Welches der beiden Szenarien eintreten wird, ist offen. Dass bei der nächsten Pleite aber eines der beiden eintreten wird, erscheint gleichwohl ziemlich sicher.

Schicksalsspiel gegen die Mannschaft der Stunde

Stöger soll mit seiner Mannschaft am Samstagabend genau das schaffen, was ihm in der Bundesliga schon die komplette Saison nicht gelungen ist. Das Spiel gewinnen. Grundsätzlich ist das möglich im Fußball, auch für den 1. FC Köln. Gegen Schalke gelang das den Kölnern in den letzten Jahren sogar recht häufig. Doch in der aktuellen Situation spricht sehr wenig für die Geißböcke, die mit nur zwei Punkten und vier erzielten Toren eine erbärmliche Saisonbilanz vorzuweisen haben.

DORTMUND, GERMANY - NOVEMBER 25: jc Domenico Tedesco of Schalke and Evgen Konoplyanka celebrate after the Bundesliga match between Borussia Dortmund and FC Schalke 04 at Signal Iduna Park on November 25, 2017 in Dortmund, Germany. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Auf der anderen Seite wartet mit Schalke ausgerechnet jetzt die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga. Die Königsblauen stehen vor dem 14. Spieltag auf dem dritten Platz und sind vom überragenden Derby-Comeback nach 0:4-Rückstand gegen den BVB noch bis Oberkante Unterlippe mit Selbstvertrauen vollgepumpt. Gut, auch Domenico Tedesco muss auf Tilo Kehrer, Pablo Insua und Nabil Bentaleb verzichten, für den Schalker Trainer ist das aber durchaus verkraftbar. Es finden sich genug formstarke Profis im Kader der Knappen, um einzelne Ausfälle auszugleichen zu können.

Verletzungsseuche hat den FC im Griff

Von einzelnen Ausfällen kann bei den Kölnern derweil gewiss nicht mehr die Rede sein. Dominique Heinz, Dominic Maroh, Jonas Hector, Marco Höger, Leonardo Bittencourt, Marcel Risse, Jhon Cordoba und Simon Zoller fallen aus, auch Nachwuchsverteidiger Joao Queiros ist verletzt. Schon in der Vorwoche gegen Hertha BSC musste Stöger auf gleich drei Bundesliga-Debütanten zurückgreifen. Mit dem unter der Woche 17 gewordenen Yann Aurel Bisseck spielte einer der Nachwuchskicker sogar über die vollen 90 Minuten. Anas Ouahim und Niklas Nartey wurden eingewechselt.

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Da wenigstens Frederik Sörensen nach seiner Sperre wieder dabei ist, scheint die gröbste Abwehrnot im Vergleich zum Hertha-Spiel abgewendet zu sein. Der Däne dürfte beginnen, Bisseck dafür auf der Bank sitzen. Auch Jannes Horn dürfte wieder zum Einsatz kommen – das war es dann aber auch schon mit den aktuellen Entspannungsmomenten in der Kölner Kaderkrise.

Burgstaller: „Stöger leistet überragende Arbeit“

Die Schalker wollen das Kellerkind aus Köln dennoch natürlich nicht unterschätzen. Erfolgstrainer Tedesco stellte im Vorfeld der Partie charmanterweise bereits fest, der FC habe weniger Punkte, als „er es verdient gehabt hätte.“ Und auch Schalke-Stürmer Guido Burgstaller ist sich sicher: „Köln hat zwar bisher wenige Punkte gesammelt, aber die Mannschaft kämpft für den Trainer.“ Der Österreicher springt seinem Landsmann zur Seite: „Peter Stöger leistet seit Jahren überragende Arbeit. Seine Spieler werden alles aus sich herausholen, um mindestens einen Punkt mitzunehmen.“

COLOGNE, GERMANY - NOVEMBER 23: Coach Peter Stoeger of Koeln looks on prior the UEFA Europa League group H match between 1. FC Koeln and Arsenal FC at RheinEnergieStadion on November 23, 2017 in Cologne, Germany. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images

Doch man kann es drehen und wenden wie man will: Man wird keine Kölner Startformation finden, der man derzeit ernsthaft zutrauen würde auf Schalke einen Auswärtssieg zu holen. Sollte der erste Saisonsieg also mit dieser gebeutelten Truppe ausgerechnet gegen die Schalker in Topform gelingen, es wäre schon ein mittelschweres Fußballwunder. Ein sehr schönes zwar, aber leider auch ein sehr unwahrscheinliches.

Ikarus im freien Fall

So bleibt der Domstadt wohl nicht viel anderes übrig als sich emotional für den Samstag und sein Nachspiel schon einmal zu wappnen. Es droht schließlich nicht nur die nächste Niederlage in der Bundesliga. Auch die erfolgreichste Ära der jüngeren Vereinsgeschichte könnte an diesem tristen Dezemberabend in Gelsenkirchen zu Ende gehen.

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Der letztjährige Bundesliga-Ikarus wäre endgültig heftig und nahezu ungebremst auf dem Boden der Tatsachen aufgeschlagen. Und diese Landung wäre härter, als man das im Mai diesen Jahres jemals für möglich gehalten hätte. Aber Sport ist Sport, deshalb gilt bis mindestens 20:15 Uhr auch: It ain’t over till the fat lady sings.

1. FC Köln
Horn – Rausch, Mere, Sörensen, Olkowski – Lehmann, Jojic, Özcan, Handwerker – Osako, Guirassy

FC Schalke 04
Fährmann – Stambouli, Naldo, Nastasic, Meyer – Caligiuri, Oczipka – Harit, Goretzka – Konoplyanka, Burgstaller

 

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2 Kommentare

  1. „1. FC Köln
    Horn – Rausch, Mere, Sörensen, Olkowski – Lehmann, Jojic, Özcan – Handwerker, Horn, Osako – Guirassy“

    selbst mit 11 Feldspielern dürfte es unmöglich sein… 😉

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