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Kein Sieg für den 1. FC Köln: Die richtige Entscheidung gegen den effzeh in der Nachspielzeit sorgt für reichlich Ärger. Der Eingriff der TV-Referees killt nicht nur die Emotionen im Stadion, sondern wohl auch die letzte Hoffnung der „Geißböcke“ auf den Klassenerhalt.

Osako, Risse, Pizarro, Esktase: Eigentlich hatte der 1. FC Köln in der Nachspielzeit den emotional umjubelten Siegtreffer erzielt, eigentlich war es aus Kölner Sicht ein perfekter Schlussakkord für das Heimspiel gegen Hannover 96, eigentlich wäre für den effzeh die Hoffnung im Abstiegskampf am Leben geblieben. Eigentlich. Denn un-eigentlich stand Marcel Risse einen halben Schritt im Abseits, der Video-Assistent meldete sich aus dem Deutzer Darkroom und aus emotionaler Ekstase wurde erst Fassungslosigkeit, dann Wut. Wut auf das unsägliche Pech, Wut auf die unfassbare Willkür, Wut auf all die Ungerechtigkeiten dieser Welt.

„Ich weiß nicht, was die Mannschaft noch alles wegstecken soll. Was die Saison passiert, ist unglaublich“, polterte der enttäuschte effzeh-Torwart Timo Horn nach dem Abpfiff. „Es heißt immer, dass es keine skalierbaren Linien gibt, um klar festzustellen, ob es Abseits ist. Deshalb soll der Videoassistent in diesen Situationen eigentlich nicht eingreifen. Plötzlich gibt es sie hier dann aber doch. In Hamburg steht er anderthalb Meter im Abseits, dann wird das Tor gegeben. Hier ist es knapp, und der Treffer zählt nicht. Das ist unfassbar. Ich sag da aber nichts mehr dazu. Das lässt sich eh nicht mehr ändern“, fasste der 24-Jährige seine Wut in eher noch harmlose Worte: „Mal ja, mal nein – das ist das, was mich und meine Mitspieler so aufgeregt hat.“

Mal hü, mal hott beim VAR – und nichts zu machen

Die Emotionen wirkten nur allzu verständlich: Nicht nur in Anspielung auf das Hamburger Tor in Leipzig Ende Januar, als Filip Kostic aus Abseitsposition den Ausgleich für den Kölner Konkurrenten erzielen konnte – und der Treffer trotz Überprüfung durch den Video-Assistenten zählte. Die Argumentation nach der Partie: Es gebe keine kalibrierte Linie, um am TV zweifelsfrei belegen zu können, ob es sich um Abseits gehandelt habe oder nicht.

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„DFL und DFB werden, wie in den vergangenen Monaten immer wieder betont, erst auf die so genannte kalibrierte Linie zurückgreifen, wenn von FIFA und IFAB Versionen eines oder mehrerer Dienstleister zertifiziert wurden und zugelassen sind – ähnlich wie das vor Einführung der Torlinientechnologie der Fall war“, so die Erklärung des für den Videobeweis bei der DFL zuständigen Ansgar Schwenken. Dort hü, hier hott? Es sind solche Situationen, die das Verständnis für den Einsatz dieser Technologie ins Wanken bringt.

COLOGNE, GERMANY - FEBRUARY 17: Jonas Hector of Koeln reacts during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Hannover 96 at RheinEnergieStadion on February 17, 2018 in Cologne, Germany. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Der Ärger bei den effzeh-Fans rührt aber auch noch aus anderen Quellen: So richtig die Entscheidung in der Nachspielzeit war (Risse stand tatsächlich einen halben Schritt im Abseits), so falsch waren zwei Urteile desselben Schiedsrichter-Assistenten in der zweiten Halbzeit, die sich nicht via Videoverdikt rückgängig machen ließen. Kurz nach dem Seitenwechsel wurde Simon Terodde freigespielt und lief allein auf 96-Torwart Philipp Tschauner zu: Abseits – eine Fehlentscheidung, die auch den Kölner Torjäger beim folgenden Fehlschuss beeinflusste.

Im Zweifel für den Angreifer? Im Zweifel nichts mehr direkt entscheiden!

Nur zehn Minuten später dasselbe Schauspiel: Der für den verletzten Terodde ins Spiel gekommene Zoller wird steil geschickt, steht völlig frei vor Tschauner und wird auch wegen vermeintlichem Abseits zurückgepfiffen. Die Wiederholung zeigt: Der effzeh-Angreifer ist nicht einmal auf gleicher Höhe mit dem letzten Hannoveraner Verteidiger, er startet sogar anderthalb Meter dahinter. Die Chance? Vergeben, auch weil der Pfiff deutlich vorher ertönt.

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Eine Chance zur Wiedergutmachung dieser grotesken Fehlentscheidung? Nicht vorhanden! Im Zweifel für den Angreifer: Das wäre in Zeiten der video-gestützten Entscheidungsfindung wohl die sinnvollere Strategie, wenngleich auch ein Armutszeugnis für die deutschen Schiedsrichter. Nichts mehr entscheiden, weil die TV-Bilder das Gegenteil zeigen könnten? Anders lässt es sich wohl nicht regeln.

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Es ist zum Verzweifeln – für Fans, für Spieler und für die Verantwortlichen. Auch weil es um das Emotionalste geht, was es im Fußball gibt. Der Jubel um den Treffer in der Nachspielzeit war riesig in Müngersdorf, letztlich kam dann nach etwa einer Minute die Rolle rückwärts. „Das sind die schlimmsten Entscheidungen für Fußballer. Wir jubeln minutenlang an der Eckfahne, nehmen sogar den Ball mit und dann laufen wir zurück in die Formation und dann kommt der Ruf aus Köln. Das tut natürlich richtig weh“, ließ FC-Verteidiger Dominique Heintz verlauten.

„Ich fühle mich genauso scheiße wie ein Fan“

Auch für die Anhänger auf den Tribünen wird es angesichts des Videobeweises einen Lerneffekt geben: Kann ich meiner Freude überhaupt noch freien Lauf lassen oder wird das Tor wegen irgendeiner Situation, die falsch eingeschätzt wird, doch noch revidiert? Selbst vermeintlich klare Treffer können schließlich fraglich sein, immerhin zählt mittlerweile die gesamte Zeit des Angriffs zum Überprüfungsbereich der Entscheider in Köln-Deutz.  „Ich fühle mich genauso scheiße wie ein Fan. Ich kann die Emotionen voll verstehen“, betonte nachher auch Schiedsrichter Markus Schmidt: „Genau das wird ja am Videoschiri kritisiert, dass die Emotionen kaputt gehen. Es ist doof und das kann ich nachvollziehen. Trotzdem haben wir am Ende die richtige Entscheidung getroffen.“

Doch die Unsicherheit darüber, was letztlich wie und wann gecheckt wird, bleibt die große Konstante dieser Saison. Mal hü, mal hott – was dem Video-Assistenten auf dem einen Platz einen Eingriff wert gewesen ist, bedeutet noch lange nicht, dass dies auch woanders so gilt. Dazu kommen noch unterschiedliche Richtlinien im Laufe einer Saison. Eine Unklarheit, die den 1. FC Köln 2017/18 auch fernab des grotesken und bis heute nicht verständlichen Fehlurteils in Mainz enorm getroffen hat.

COLOGNE, GERMANY - FEBRUARY 17: Claudio Pizarro of Koeln celebrates his goal with team mate Jonas Hector before referee Markus Schmidt takes it back because of offside during the Bundesliga match between 1. FC Koeln and Hannover 96 at RheinEnergieStadion on February 17, 2018 in Cologne, Germany. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Unter heutigen Maßstäben würde die Elfmeter-Entscheidung in der Nachspielzeit beim VfB Stuttgart wohl Bestand haben, in einer anderen Phase der Saison hätte wohl der effzeh im Heimspiel gegen Frankfurt einen Strafstoß erhalten und nicht andersherum. Es sind diese willkürlichen und hausgemachten Probleme, die den Einsatz des Video-Assistenten in der Testsaison für jeden rund um den 1. FC Köln so unerträglich machen. Es ist diese Ohnmacht, die die Wut entfacht und letztlich mürbe macht.

Das Spiegelbild einer verkorksten Saison

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So musste sich der effzeh gegen Hannover aufgrund einer richtigen und gleichzeitig gefühlt so falschen Entscheidung mit einem Zähler begnügen. Es wirkte am Ende des Tages wie ein Spiegelbild der laufenden Spielzeit, eigentlich hätte nur noch ein Last-Minute-Knockout durch ein unglückliches Gegentor gefehlt. Was schief laufen kann, das läuft in dieser Saison eben auch schief. Nicht nur, dass die „Geißböcke“ sportlich durchaus wie ein Absteiger auftreten, die Kölner haben auch das Pech förmlich gepachtet.

„Ich finde der Video-Schiedsrichter hat in anderen Spielen bei solchen Entscheidungen nicht eingegriffen. Heute ist er dann plötzlich da und es läuft gegen uns“, resümierte Dominique Heintz. Dass das auch Schiedsrichter Markus Schmidt, der letztlich ja die richtige Entscheidung getroffen hatte, sichtlich unangenehm war, dürfte für jeden, dessen Herz für den effzeh schlägt, nur ein ganz schwacher Trost sein.

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1 Kommentar

  1. Das mit dem eindeutigen Abseits von Risse wurde ja am Sonntag von Werder-Fan Arnd Zeigler in „Zeiglers wunderbare Welt…“ (u. a. WDR 3) widerlegt. Da wurde auch noch einmal die Schiri-Stellungnahme eingeblendet, dass der Video-Scharfrichter in solchen Situationen gar nicht eingreifen soll. Das jeweils gezeigte TV-Bild bei ARD/Sky (natürlich ohne kalibrierte Linie, aber wohl erkennbar, dass Risse knapp im Abseits steht) vernachlässigt aber Passgeber Osako, denn in diesem Moment hat der Ball Osakos Fuß bereits verlassen (was bei Zeigler in der Vergrößerung deutlich erkennbar ist); nur ein Bild früher ist Risse aber deutlich nicht im Abseits und Osako tritt gerade gegen den Ball. Andererseits wurde auch gezeigt, dass der Linienrichter die Szene gar nicht beurteilen kann, denn dann müsste er Risse, Sane und Osako gleichzeitig im Blick haben (Sane von Risse verdeckt, Osako gar nicht im Blickwinkel). Für Zeigler (und nach den Bilder m. E. auch belegt) kein Abseits. Und damit wieder eine falsche Entscheidung gegen den FC.
    Merkwürdiger DFB: Dass hier ein Pfeifenmann aus Stuttgart der Entscheider war, ist eine dämliche Ansetzung, vergleichbar dem Video-Entscheider beim Elfmeterpfiff in Mainz aus der Hinserie, der wenige Kilometer vom Mainzer Stadion zuhause ist.