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Führung durch Bittencourt, danach der obligatorische Einbruch – nach der Niederlage gegen Hertha muss sich der 1. FC Köln mit dem Abstieg abfinden, was negative, aber verständliche Reaktionen der Fans hervorruft.

Es ist vorbei – es ist endgültig vorbei. Nach der Niederlage in Berlin muss man sich nun final mit dem Abstieg des 1. FC Köln abfinden, der zwar rechnerisch immer noch nicht besiegelt, aufgrund vieler anderer Faktoren aber nicht mehr zu vermeiden sein wird. Der abermalige kurzzeitige Zusammenbruch der Mannschaft nach dem Seitenwechsel reichte den Berlinern für zwei Tore durch Selke, die die Partie drehten und in Köln für Verdruss sorgen. Die wesentliche Erkenntnis nach dem Spiel ist weniger, dass der 1. FC Köln weder individuell noch mannschaftlich momentan annähernd Bundesligatauglichkeit erreicht – vielmehr muss man festhalten, dass die Protagonisten nun selbst erkennen, dass ein Eingestehen des Abstiegs vielleicht besser ist als das ständige Hoffen auf ein Wunder.

Doch nicht nur deswegen wird das Spiel in Berlin in Erinnerung bleiben: Die abermals großartige Unterstützung von 4.000 effzeh-Fans in Berlin geriet am Ende in einigen medialen Publikationen in den Hintergrund, weil einige Fans nach der 19. Niederlage alleine in dieser Bundesliga-Saison ihren negativen Emotionen freien Lauf ließen. Es flogen Bierbecher, es fielen vielleicht nicht die freundlichsten Worte in Richtung der effzeh-Profis. Beim Gang in die Kurve wurde sogar ein Trikot von Jonas Hector zurückgefeuert, das der Nationalspieler den Fans zuvor zugeworfen hatte. Hector verschwand selbst später unter Tränen im Kabinengang, ähnlich ging es auch noch Marcel Risse. Zwar ist es nicht schön, wenn das Trikot eines Spielers zurückgeworfen wird, eine Tragödie ist es aber auch nicht – vielmehr ist es ein fast normaler Vorgang bei einem Bundesligisten, der bereits seit Monaten nur darauf wartet, endgültig abgestiegen zu sein. Dass danach wieder die Keule in Richtung der effzeh-Fans geschwungen wurde, war an diesem Tag fast ärgerlicher als die Niederlage.

Bierbecher und ein Trikot – warum die Empörung?

Stefan Ruthenbeck beschwerte sich später bei FC-TV, dass man mit einer solchen Aktion einen Spieler wie Jonas Hector eben nicht halten würde – schließlich ist beim WM-Teilnehmer noch nicht gesichert, dass er den effzeh verlässt. Es ist aber dennoch erstaunlich, dass sich der Fokus nun wieder auf das Verhalten der Fans richtet, während die Mannschaft (und leider auch mit Abstrichen Jonas Hector) nicht an das Maximum der eigenen Leistungsfähigkeit kommt.

Natürlich, Hector ist die Galionsfigur des 1. FC Köln und eine Persönlichkeit im Kader, doch man darf jetzt auch nicht alles durcheinander werfen. Die Frustration der Fans ist verständlich, Hectors Entscheidung sollte allerdings nicht davon abhängen, ob in dieser Situation jetzt noch alle auf Friede, Freude, Eierkuchen machen. Die großen Anstrengungen jede Woche, die immer mit einer weiteren Enttäuschung enden, fordern irgendwann ihren psychologischen Tribut, der sich dann in einem physischen Akt des Werfens äußert – so what?

„Wir haben es verdient, beschimpft zu werden“

Man kann sich an Stimmungsbilder in Köln erinnern, wo bei einem drohenden Abstieg martialische Plakate beim Training aufgehangen oder nach dem Feststehen des Gangs in Liga zwei Rauchtöpfe gezündet wurden. Dies soll sich zwar nicht wiederholen, allerdings muss man die effzeh-Fans für ihre mittlerweile monatelange Leidensfähigkeit und Zähigkeit in der aussichtslosen Situation ihres Lieblingsvereins loben. In dieselbe Richtung äußerten sich auch einige Spieler. Dominique Heintz sagte nach der Partie: „Wir haben es verdient, beschimpft zu werden. Die Fans standen das ganze Jahr hinter uns und irgendwann ist der Zeitpunkt erreicht, wo es die Stimmung kippt. Sie haben eine lange Reise auf sich genommen und sich mehr erhofft. Von daher tut es mir leid für den Verein und die Fans, dass wir so weit unten drin stehen.“

BERLIN, GERMANY - APRIL 14: Supporters of Koelen show their feelings about their team while Marcel Risse of Koeln walks away, after the Bundesliga match between Hertha BSC and 1. FC Koeln at Olympiastadion on April 14, 2018 in Berlin, Germany. (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images

Leonardo Bittencourt sah dies gegenüber FC-TV ähnlich: „Ich kann die Fans verstehen. Es gehört zum Fußball dazu, dass die Frustration rauskommt. Sie reisen so viele Kilometer und geben Geld aus, und sehen dann so eine zweite Halbzeit. Wir haben es nicht verdient zu gewinnen, deswegen haben sie das Recht, ihren Frust rauszulassen. Solange alles friedlich bleibt, höre ich mir das an und stehe meinen Mann.“ Unisono betonten die Spieler, dass die Chance auf die Rettung nun eben nicht mehr existent sei und man deswegen die Saison „souverän“ zu Ende spielen und sich dabei „nicht abschießen lassen“ wolle (Heintz).

Der Abstieg: Traurig, aber auch erleichternd

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Trainer Ruthenbeck befasste sich unterdessen mit der Aufarbeitung des 1:2, bei dem seiner Meinung nach der Videobeweis hätte eingreifen müssen – er verstehe es nicht mehr, betonte aber auch, dass kein Schiedsrichter etwas für die Situation könne. Danach brach er noch eine Lanze für seine Mannschaft: „Die Fans dürfen nicht vergessen, dass die Mannschaft unheimlich viel Herzblut mitbringt. Bei uns in der Kabine wird jetzt keine Party gefeiert, da werden Tränen vergossen. Die Jungs machen sich unheimlich viele Gedanken um den Verein. Wir haben viele Spieler, die sich mit dem Verein identifizieren – die Mannschaft hat einen super Charakter, aber die Bürde aus der Hinrunde war zu groß.“

Verständliche Worte des Cheftrainers auf der einen, eine vielleicht nicht total tolle, aber dennoch nachvollziehbare Reaktion der Fans auf der anderen Seite – und unter dem Strich die Gewissheit, dass die minimale Resthoffnung nun ebenfalls verflogen ist. Traurig, aber irgendwo auch erleichternd.

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